Ehrenamtliche bringen Flüchtlingen in Moringen Deutsch bei

Moringen. Zehn Flüchtlinge lernen zwei Mal pro Woche lernen seit einigen Wochen gemeinsam Deutsch: Grundschullehrerin Elke Demuth (hinten rechts) unterrichtet ehrenamtlich eine Gruppe von Flüchtlingen.

Während Flüchtlingskinder in Schulen und Kindergärten die deutsche Sprache lernen, ist es für ihre Eltern deutlich schwerer, in Deutschland Fuß zu fassen.

Offizielle Sprachkurse – zum Beispiel an der Volkshochschule – dürfen sie in der ersten Zeit ohne Aufenthaltsstatus nicht besuchen. „Dabei funktioniert Integration doch vor allem über die Sprache“, sagt Sylvia Timpe.

Gemeinsam mit einigen freiwilligen Helfern hat die Vorsitzende der Moringer Kolpingsfamilie deshalb einen privaten Deutschkurs auf die Beine gestellt. Die Resonanz ist groß: Zehn Flüchtlinge, die derzeit in Moringen leben, sind zwei Mal pro Woche mit großem Interesse dabei. Ihre Kinder werden in dieser Zeit im Mütterzentrum betreut.

„Wir fühlen uns hier sehr wohl. Der Umgang ist sehr menschlich“, sagt Fehmi Muhamed, der vor acht Monaten mit seiner Frau und drei Kindern aus Syrien geflohen ist. Ohne Dolmetscher geht zwar fast nichts, dennoch freut er sich über die ersten kleinen Erfolge. So haben die Teilnehmer in den ersten vier Wochen zum Beispiel das deutsche Alphabet, die Bezeichnungen verschiedener Lebensmittel und erste einfache Sätze gelernt. „Der Unterricht ist sehr praxisnah“, erklärt Grundschullehrerin Elke Demuth, die die Flüchtlinge abwechselnd mit ihrer Kollegen Ingrid Scheunemann in den Räumen des katholischen Pfarramtes unterrichtet. „Alle spornen sich gegenseitig an. Die Stimmung im Unterricht ist meistens sehr fröhlich.“

Dabei ist die Situation der Flüchtlingsfamilien alles andere als entspannt. In ihrer Heimat haben sie Not und Leid erlebt. Ob sie dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen, wissen sie nicht. Alle Betroffenen leben derzeit von Tag zu Tag, immer in der Hoffnung, keinen Abschiebungsbescheid zu erhalten.

„Auch für uns ist es oft nicht leicht, wenn jemand dann wirklich abgeschoben wird“, berichtet Sylvia Timpe von der Kolpingsfamilie, die sich seit Monaten sehr intensiv um die Flüchtlinge in Moringen kümmert.

Um noch besser helfen zu können, haben die engagierten Ehrenamtlichen vor Kurzem die „Initiative Flüchtlingshilfe Moringen“ gegründet. „So bekommen wir mehr Struktur in unsere Arbeit und haben auch die Möglichkeit, finanzielle Hilfen zu erhalten“, erklärt Wolfgang Bertram, der sich für die Initiative um die Schriftangelegenheiten kümmert.

Vom Nothilfe-Fonds der Caritas des Bistums Hildesheim haben die Moringer kürzlich 3500 Euro als einmaligen Zuschuss erhalten. Davon können zum Beispiel Fahrten zu Ärzten, Aufwandsentschädigungen für Dolmetscher oder das Material für den Deutschkurs finanziert werden.

 

Foto: Schwekendiek