Kochen über den Tellerrand

Erfahrungsbericht Interkulturelles Kochprojekt Moringen

Im Rahmen der Flüchtlingshilfe in Moringen kam uns im Herbst die Idee, ein interkulturelles Kochprojekt ins Leben zu rufen, um den Kontakt unter Familien unterschiedlicher Herkunft zu fördern. Dabei war uns besonders wichtig, Frauen anzusprechen, da viele der Männer bereits in Sprachkursen und Sportvereinen aktiv sind, die Frauen jedoch oft nur zu Hause sind, und dadurch wenig Kontakte bekommen.

Der Gedanke, einmal im Monat ein Treffen in Moringen zu organisieren gefiel spontan vielen Menschen, so dass wir dank der Unterstützung der Kolpingfamilie, der Jugendpflege Moringen, der Evangelischen Kirchengemeinde, der Kooperation mit der Löwenzahnschule und der Bürgermeisterin der Stadt Moringen, sowie des Landkreises Northeim am Freitag, 07.11.2015 das erste und am 04.12. das Zweite Treffen ansetzen konnten. Jeweils am Dienstag davor wollten wir mit 3 ausgewählten Frauen das Menu planen. Dabei kam es zu ersten Irritationen, da die Damen aus Syrien anscheinend keine große Planung benötigten. Am Freitagvormittag wurde das gemeinsame Einkaufen angesetzt. Auch da zeigte sich, dass deutsche Pünktlichkeit und Erwartungen nicht immer verstanden und ernst genommen werden. Mit vollgepackten Taschen verließen wir schließlich den syrisch-türkischen Supermarkt SINEM in Göttingen, wo wir uns mal als Deutsche richtig fremd fühlten, unter allen Kunden, die von vertrauten Produkten umgeben waren…Im Vorfeld hatten wir etwa 10 Deutsche und 10 Einwohner mit Migrationshintergrund angesprochen, ob sie mit uns kochen wollten. Das Regiment bei diesem ersten Treffen sollten die Frauen aus Syrien haben, die uns beibringen sollten, wie man ein syrisches Essen zubereitet. Da die Kommunikation rund um das Einkaufen nicht so erfolgreich war, waren wir sehr skeptisch, wer kommen würde. Schließlich strömten die Menschen herbei. Beim Essen saßen schließlich 46 Leute an den Tischen. Dabei natürlich sehr viele Kinder, auch viele Väter, die sich beim Kochen zurückgehalten hatten, aber zum Essen dazukamen.

Der Abend lief etwas anders ab, als wir dachten. Während wir an ein direktes Anweisen gedacht hatten, war der Ehrgeiz der Frauen, es perfekt zu machen, sehr hoch. So gab es zum Beispiel auch Kritik seitens der Syrischen Frauen, an der Art u. Weise Zwiebeln zu schneiden: sie waren nicht fein genug… Diese Erlebnisse bleiben sicher im Gedächtnis und haben auch einmal das Rollenverhältnis umgedreht: hier waren wir deutschen diejenigen, die gezeigt bekommen haben, wie es geht. Auch unter den Kindern entwickelten sich schnell Kontakte und Kinder, aus Syrien, die noch kein Wort Deutsch sprechen konnten, sprachen hier ihre ersten Worte. Innerhalb der Grundschule in Moringen gibt es bereits Berührungspunkte, jedoch kam es durch das Kochprojekt auch noch einmal zu Absprachen unter den Kindern: „ Kommst du heute Abend auch zum Kochen?“…

Die hohe Anzahl der Interessierten spricht sicher für sich, und zeigt, dass viele Familien sich mehr Kontakte und Begegnungsorte dieser Art wünschen. Auch beim zweiten Termin waren fast 50 Menschen versammelt, dabei auch viele deutsche Rentner, die beim traditionellen deutschen Essen eine große Unterstützung boten. Hier wurde mit den Flüchtlingen ein deutsches Winteressen gekocht, und der zunächst skeptisch beäugte Rosenkohl sehr gelobt. Am 14.12. wurden dann noch einmal gemeinsam Kekse aus aller Welt gebacken. Dabei haben wir traditionelles deutsches Weihnachtsgebäck vorgestellt und gebacken, aber auch syrische Spezialitäten wurden gebacken. Natürlich wurden die Kekse auch probiert und jeder konnte eine Tüte mit nach Hause nehmen.

Insgesamt bewerten wir das Projekt als vollen Erfolg und würden es gerne fortsetzen. Gerade hatte sich ein Kreis von Leuten gebildet, und ein gewisser Rhythmus (jeder erster Freitag im Monat) eingeschliffen.

Die Kontakte unter den Familien werden enger, und es ergeben sich schöne Synergieeffekte, wo zum Beispiel Hilfe angeboten werden kann, wo Unklarheiten sind,…

Unsere Meinung nach, sind Projekt dieser Art für alle Seiten ein Zugewinn und bieten einen deutlichen Beitrag zur Integration, jedoch auch zur Völkerverständigung und letztendlich auch zum Beleben des ländlichen Raums und somit zur Erhöhung der Lebensqualität.